Dieses Konzept verursacht einen ständigen Datenverkehr zwischen
Manager und Agenten, um die Managementinformationen zu übermitteln. Mit einer
ansteigenden Zahl von Managed Objects (in der vorliegenden Aufgabenstellung:
eine größer werdende Zahl von Webservern) steigt auch die vom
Managementsystem übertragene Datenmenge direkt proportional an. Bei einer
festen Bandbreite des Netzwerkes bedeutet dies einen höheren prozentualen
Anteil am Gesamtdatenverkehr. Diese ungenügende Skalierbarkeit kann
theoretisch sogar soweit führen, daß das Netz bereits durch die
Managementdaten überfordert ist.
Auch im Fehlerfalle kann dieses Konzept zu Schwierigkeiten führen. Sobald
Probleme im Netzwerk auftreten, nimmt der Datenverkehr weiter zu, da der
Manager eine Vielzahl von Informationen benötigt, um korrekt reagieren zu
können. Es entsteht also genau dann die größte Belastung, wenn das Netz am
wenigsten dazu in der Lage ist sie zu bewältigen. Im Extremfall gelangen die
entscheidenden Daten überhaupt nicht zum Manager und das Problem bleibt
bestehen.
Das Management by Delegation Paradigma bietet hier einen
Lösungsansatz. Eine Verschiebung (Delegation) der Funktionalität vom Manager
hin zum Agenten, wie in Abbildung aufgezeigt, bedeutet
weniger Datenverkehr, da die Informationen direkt vor Ort ausgewertet werden
können, ohne den Weg über das Netzwerk zu beschreiten. Dadurch ist eine
wesentlich bessere Skalierbarkeit gegeben.
Beim Auftreten eines Fehlers entfällt die zusätzliche Last aus dem selben
Grund und erleichtert damit die Gegenmaßnahmen. Die lokalen Daten liegen auch
dann vor, wenn das Netz völlig zusammengebrochen ist und ermöglichen
zusammen mit den entsprechenden Funktionen auch unter diesen Umständen eine
adäquate Fehlerbehandlung.
Wenn die Verzögerung durch den Transport der Daten wegfällt, kann
entsprechend schneller auf eingetretene Ereignisse reagiert werden. Solche
Zeitvorteile sind vor allem dann relevant, wenn es sich um
Hochgeschwindigkeitsnetze handelt, bei denen ebensoschnelle Reaktionszeiten
erforderlich sind.
Unterschieden wird dabei die dynamische und die statische
Delegierung. Dynamisch bedeutet in diesem Zusammenhang die Verlagerung von
Funktionalität zur Laufzeit, während statisch eine andere Festlegung der
Funktionsaufteilung bei der Implementierung bezeichnet, die später nicht mehr
verändert werden kann. Mit einer dynamischen Vorgehensweise ließe sich
beispielsweise ein Zuladen der jeweils gerade benötigten Funktionalität mit
anschließender lokaler Ausführung realisieren. Sie ermöglicht eine
wesentlich höhere Flexibilität als die statische Variante und benötigt
dennoch nur die gerade erforderlichen Ressourcen, stellt aber ebenso höhere
Anforderungen an die Verwaltung des Gesamtsystems.
Aber auch dieser Ansatz weist einige Tücken auf. Es kann nicht Alles
beliebig delegiert werden. Gerade Anwendungen wie das Fehlermanagement
benötigen oft die Übersicht über das ganze Netzwerk und nicht nur über
eine Komponente damit der Fehler lokalisiert werden kann. Dies ist zwar
ebenfalls lösbar, jedoch nur unter Verwendung von traditionellen
Manager/Agenten - Beziehungen.
Aus den genannten Gründen müssen bei der Umsetzung eines Managementkonzepts
nach diesem Paradigma Überlegungen angestellt werden, welche
Funktionalitäten delegiert werden können und welche sinnvollerweise nicht.
4